Wetter oder Drama? ARD und die Totenfrau-Quote
Schlechte Quoten für die "Totenfrau"? Anna Maria Mühe macht das Wetter verantwortlich. Doch ist das wirklich der Grund für den Rückgang der Zuschauerzahlen?
Ich kann nicht anders, als ein gewisses Amüsement über die jüngsten Äußerungen von Anna Maria Mühe zu empfinden, in denen sie die mäßigen Quoten von "Totenfrau" auf das schöne Wetter schob. Ja, das Wetter ist oft ein leidenschaftlicher Diskussionspunkt, aber auf die Idee zu kommen, dass Sonnenschein und Vogelgezwitscher die Zuschauer dazu bringen, sich statt auf ihren Fernsehern auf ihre Gärten zu konzentrieren, ist doch etwas weit hergeholt. Es ist fast so, als ob Mühe im Traumland von ein paar TV-Produzenten unterwegs ist, die sich ein möglichst zeitloses Drama wünschen, während der Frühling tatsächlich die Menschen in die Freiheit lockt. Die Realität der Einschaltquoten ist jedoch komplexer und erfordert eine differenzierte Betrachtung.
Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die gesamte Branche in einem Wandel begriffen ist. Die Zuseher sind wählerischer denn je. Der Konkurrenzkampf durch Streaming-Dienste hat die Erwartungen an das Fernsehangebot drastisch verändert. Inhalt und Qualität zählen zunehmend mehr als die bloße Verfügbarkeit im Abendprogramm. Wenn das Wetter also ein Faktor ist, dann ist es bestenfalls ein Nebenschauplatz im großen Spiel der Publikumsbindung. Die Zuschauer können in der Tat den Drang verspüren, ihre Abende im Freien zu verbrquen, aber vielleicht sagt es mehr über die Serien aus, wenn sie nicht gerade brennend darauf warten, mit der nächsten Episode fortzufahren. Von mehr als nur Sonne beeinflusst, könnte man sagen, dass auf Wiedersehen von Zuschauern eher eine Beziehungskrise zur Serie bedeuten könnte.
Ein weiteres Argument ist die auf die allgemeine Erzählweise der Sendung gerichtet. Die Dramaturgie von "Totenfrau" hat in den letzten Saisons möglicherweise nicht die nötige Frische oder Tiefe aufgewiesen. In Zeiten, in denen Geschichten als tiefgründig und vielschichtig wahrgenommen werden, mag die einseitige Ausrichtung auf Thrill und Drama nicht jedem Zuschauer zusagen. Es ist, als ob der Fernseher eine schüchterne Einladung ausgesprochen hat, um dem Publikum ein wenig mehr vom Leben und den komplexen Gefühlen zu zeigen, und nicht nur das übliche „Wer ist der Mörder?“. Wenn der Zuschauer nicht mehr mitreißen kann, wird er sich irgendwann nach einer Alternative umsehen, ganz gleich, wie der Wetterbericht aussieht. Schönes Wetter kann ein willkommener Anlass sein, aber der Bote ist letztlich die Geschichte selbst.
Natürlich könnte man einwenden, dass die Hitze in der Luft einen gewissen Einfluss auf die Zuschauerzahlen hat. Während ich diese Theorie nicht völlig ausschließen möchte, erscheint es mir doch ein wenig zu simpel, um den sinkenden Quoten Glauben zu schenken. Wer sich für spannende Geschichten interessiert, wird sich auch bei schwülem Wetter nicht scheuen, seinen Platz vor dem Fernseher einzunehmen, es sei denn, die Geschichte ist so fadenscheinig, dass sie selbst die besten Klimaanlagen nicht mehr ertragen können. In den letzten Jahren hat sich die Sehgewohnheiten gewandelt. Die Menschen haben weniger Zeit, sind es gewohnt, sofortige Belohnungen zu bekommen. Wenn die Erzählweise nicht mithalten kann, ist der Verzehr von Inhalten in Form von Binge-Watching sicherlich viel verlockender – und das nicht nur, weil die Sonne scheint.
Letztendlich zeigt der Fall "Totenfrau" auf ärgerlich klare Weise, dass die Herausforderungen des Fernsehens heutzutage vielschichtiger sind. Das Wetter ist ein Flocken von Staub in der komplexen Landschaft der Fernsehkultur. Anna Maria Mühes Gedanken mögen direkt aus der Frustration heraus entstanden sein, aber die Ursachen der Quoten sind viel tiefer verwurzelt. Es wäre ratsam, sich weniger auf das Wetter zu konzentrieren und mehr auf die Qualität der Erzählungen, die wir kreieren und anbieten. Wenn das Publikum das Gefühl hat, dass die Geschichten nicht mehr für sie sprechen oder ihre Sicht der Welt nicht mehr widerspiegeln, wird selbst der herrlichste Sonnenschein nicht ausreichen, um sie vor die Bildschirme zu locken.
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